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Der Landesseniorenbeirat Berlin besucht das Tageshospiz

Auf Einladung des Geschäftsführers Phillip Freund besuchten einige Mitglieder des LSBB am 7.11.23 das Tageshospiz im Orchideenweg in Rudow.

Wir waren gespannt und sehr interessiert an dieser hospizlichen Versorgungsform, da uns bisher nur Angebote stationärer und ambulanter Hospize näher bekannt waren. Wie kann ein temporäres Hospiz funktionieren? Menschen in hospizlicher Betreuung nur tagsüber, auch nur an einzelnen Wochentagen trotz einer lebensbegrenzenden Diagnose? Viele Fragen bewegten uns als wir vor der Tür der Einrichtung standen.

Der Geschäftsführer und die Leiterin der Einrichtung begrüßten uns zu einer ausführlichen Informations- und Fragerunde. Wir erfuhren, dass Tageshospize als Versorgungsangebot noch relativ neu sind. Bundesweit liegt die aktuelle Zahl bei ungefähr 10 Einrichtungen, so dass auch das Berliner Tageshospiz als Angebot immer wieder bundesweit Anfragen bekommt, wie so eine Einrichtung erfolgreich geführt werden kann.

Die Eröffnung dieser Einrichtung erfolgte kurz vor den mit der Coronazeit einhergehenden Einschränkungen, so dass zu ohnehin mit einem neuen Projekt einhergehenden typischen Startschwierigkeiten zusätzliche Herausforderungen bewältigt werden mussten. Trotz aller Probleme gelang der Einstieg für heute 8 Tagesplätze von täglich 9 bis 17 Uhr ( von Montag bis Freitag) sowie 10 stationäre Hospizplätze. Der moderne barrierefreie Bau mit großem Garten, Terrassen, Balkonen und den hellen Licht durchfluteten Räumen bietet einen attraktiven Rahmen zur Unterstützung der täglichen Arbeit.

Hier finden Menschen, die an einer schweren unheilbaren Krankheit leiden, aber weiterhin (noch) zuhause leben können mit Hilfe von Angehörigen, tagsüber nach Bedarf pflegerische und ärztliche Hilfe, Kontakte zu anderen Betroffenen. Sie sollen sich als Gäste des Hauses fühlen und werden auch so benannt. Zwei Köche sorgen für täglich frisch zubereitete verschiedene regionale Essensangebote. Wünsche werden soweit möglich beachtet. Dienstleistungen vom Friseur über die Fußpflege bis zur Massage werden individuell ermöglicht. Eine große Badewanne ermöglicht ein entspannendes Bad. Es gibt kulturelle Angebote und Begegnungen. Bewegungs- , Bastel – und Malkurse fehlen ebenso wenig wie Lesungen und Musikangebote. Die ergänzende Unterstützung wird durch ca. 20 Ehrenamtliche abgesichert, die bei Bedarf um bis zu 110 zusätzliche Unterstützende ergänzt werden können.Unter ihnen befinden sich auch jüngere Menschen, die noch im Berufsleben stehen, aber auch viele im Rentenalter. Das Haus bemüht sich um Offenheit in das Wohngebiet hinein. Günstige Bedingungen, die aus einer guten Zusammenarbeit mit Unterstützung durch die benachbarte Kirchengemeinde geschaffen werden konnten, erweitern das bestehende Angebot durch gemeinsame Veranstaltungen wie dem jüngst stattgefundenen St. Martinstag. Gut nachvollziehbar, dass ein Tageshospiz besonders für berufstätige Angehörige der hier lebenden Gäste eine willkommene Entlastung in ihrem Alltag darstellen.

Was wir hörten und sahen klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Aber es scheint tatsächlich möglich zu sein, wenn engagierte Menschen – professionell oder ehrenamtlich – für ein abwechslungsreiches Tagesgeschehen sorgen und sich auf konkrete Bedürfnisse des Einzelnen gezielt einlassen. Die Vorbereitung auf die ehrenamtliche Arbeit erfolgt durch sechs Wochenendkurse.

Natürlich wurden im Rahmen unseres langen Gesprächs auch Probleme und Schwierigkeiten angesprochen. So ist es äußerst misslich, dass für das Tageshospiz noch immer keine verlässliche Rahmenvereinbarung abgeschlossen werden konnte, die für die tägliche Arbeit mit ihren wechselnden Anforderungen so wichtig wäre. Eine soziale gesundheitliche Versorgungseinrichtung wie das Tageshospiz mit dem Anspruch, die individuellen Wünsche von Menschen in schwierigen Lebenslagen zu erfüllen, schafft täglich andere Herausforderungen, die nur durch Planungssicherheit zwischen Kosten- und Leistungsträger gemeistert werden können

Die Wahrung von Lebensqualität bis ans Lebensende als immer wieder angemahnter sozialpolitischer Anspruch ist in unserem hektischen Alltag, wo Zuwendung und Empathie häufig zu den selten gewordenen Tugenden zählen, dennoch machbar wie wir erfahren konnten. Das ist eine tröstliche Erfahrung und sollte den Landesseniorenbeirat (LSBB) als politische Interessenvertretung aller Menschen über 60 Jahre noch stärker als bisher motivieren, mit seinen gesetzlichen Möglichkeiten die Öffentlichkeit mit Berichten über konkrete Erfahrungen wie sie die Mitglieder des LSBB bei ihrem Hospizbesuch machen konnten, zu erreichen. Gerade über die Aufgaben und Ziele der Palliativ- und Hospizversorgung ist noch viel Aufklärung zu leisten.