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Vorgestellt: Anuschka Maria Ruszynski wird das Ricam Hospiz Zentrum leiten

Es ist mir eine Freude, mich Ihnen vorzustellen. Mein Name ist Anuschka Maria Ruszynski, ich bin 53 Jahre alt und Mutter von zwei erwachsenen und wundervollen Kindern. Das Thema Hospiz zieht sich seit fast 20 Jahren wie ein roter Faden durch mein Leben, und ich möchte Ihnen gerne ein bisschen davon erzählen.

Begonnen habe ich als Ehrenamtliche, erst in der Kinder- und Jugendhospizarbeit, später ließ ich mich noch einmal neu schulen und wechselte in die Hospizarbeit für Erwachsene. Diese Ausbildungen und Erfahrungen konnte ich stets gut in meiner Arbeit als Sozialpädagogin für taube Menschen einbringen. Da ich unter anderem Deutsche Gebärdensprache studiert hatte, war es mir möglich, meine Klient*innen barrierefrei in ihrer Muttersprache zu den Themen Sterben, Tod und Trauer zu beraten oder zu begleiten. Meine tauben Kolleg*innen wussten darum und profitierten ebenfalls. Dieses Tun begeisterte mich so, dass ich es professionalisieren wollte. Mit großer Liebe für die Thematik und einem ausgeprägtem Wissensdurst begann ich, in Freiburg berufsbegleitend den Master of Science Palliative Care an der Albert- Ludwigs-Universität zu studieren. Dieser wissenschaftliche Weg eröffnete mir eine neue Welt, welche mich sehr bereicherte. Er beeinflusste meine berufliche Vita, indem ich aus der Sozialen Arbeit heraus und in die Bildungsarbeit und Führungsverantwortung hinein gewachsen bin. Ich pendelte nach Magdeburg, um dort für das Hospiz Zentrum der Pfeifferschen Stiftungen eine Akademie für Fort- und Weiterbildungen aufzubauen und zu leiten. Außerdem ließ ich mich nebenher als eine von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) zertifizierte Trainerin für Palliative Care und Moderatorin für die Palliative Praxis ausbilden. Es war eine sehr lebendige Zeit und ich war in meinen Elementen: Ich lernte soviel zu „Palli”, konnte mein Wissen anwenden und umsetzen und mit dem Aufbau der Akademie meinen Pioniergeist, der wesentlich zu mir gehört, befriedigen.

Die Palliativ- und Hospizakademie Magdeburg entstand rasend schnell, ging sehr gut an den Start, und ich musste entscheiden, ob ich meinen Lebensmittelpunkt komplett nach Magdeburg verlegen möchte. Ich entschied mich dagegen, da ich gebürtige Berlinerin bin und meine Heimat mit Familie, Freunden und Lieblingsplätzen brauche wie die Luft zum Atmen. Mit anfänglich schwerem Herzen aber gutem Gewissen übergab ich „meine“ Akademie und konzentrierte mich auf den anstehenden Masterabschluss. Hauptberuflich leitete ich inzwischen die Ambulanten Hilfen des Evangelisches Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin, ein Arbeitsplatz, welchen ich in gut 20 entspannten Minuten von meiner Wohnung aus erreichen konnte.

Nach dem Masterabschluss stellte ich mit Stolz und Dankbarkeit meine Forschung sowohl auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pallitivmedizin als auch auf dem Weltkongress Palliative Care vor. Gleichzeitig mündet mein erfolgreiches Studium mit seinen sehr bewegten und bewegenden Zeiten in einen tollen Neuanfang: Die Einstellung im Ricam! Diese Arbeit hier ist für mich in vielerlei Hinsicht ein großes Glück. Zunächst bin ich wieder ganz und gar (Wohnen und Arbeiten) in Berlin; dazu in Neukölln, was mir in vielerlei Weise lieb und vertraut ist. Außerdem kann ich meinen Pioniergeist erneut unter Beweis stellen, welches Vergnügen! Das Projekt selbst lässt mein Herz hüpfen, denn das darin integrierte Tageshospiz bietet Hospizarbeit in Essenz. In Großbritannien schon seit vielen Jahrzehnten gang und gäbe, ist diese Form der Betreuung von Schwerstkranken und Sterbenden und ihren Zugehörigen auch in Deutschland dringend notwendig. Es ist ein großartiges Projekt, was mich seit der Grundsteinlegung fasziniert und womit ich mich in den wenigen Tagen, die ich jetzt hier bin, bereits zu 100% identifiziere. Dass der Bau unter dem Dach der Ricam Hospiz Stiftung zum Leben erweckt wird, ist für mich nur folgerichtig: Das Ricam steht für einen freien Geist; es war und ist dank seiner Gründerin und ehemaligen Geschäftsführerin, Dorothea Becker, visionär für Berlin. Mit dem Tageshospiz bleibt das Haus dieser Tradition treu und wird gleichzeitig mit Toska Holtz als neuer Geschäftsführerin in wunderbarer Weise erfrischt, erneuert und innovativ belebt.

Persönlich komme ich hier – auch durch meine neuen Kolleg*innen im Ricam Hospiz – zurück zu meinen vertrauten hospizlichen Wurzeln. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen im Hospiz Zentrum für dieses dichte und kostbare Lebensgefühl zu begeistern und sie in ihrer Tätigkeit zu (beg)leiten, zu stärken und erfolgreich werden zu lassen. Dabei ist meine Erfahrung, dass Abschiede und Sterben oft alles andere als romantisch sind, sein können oder müssen. Sie sind jedoch immer zutiefst menschlich und bedürfen daher in aller Konsequenz einer ebensolche menschlichen Begegnung und Haltung. Dafür werde ich mich als Leiterin des Hospiz Zentrums der Ricam Hospiz gGmbH einsetzen.