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Sterbebegleitung – Theorie und Vorbereitung

Unsere Grund- und Aufbaukurse zur »Sterbebegleitung« stärken die Fähigkeit, Beziehungen zu sehr kranken Menschen aufbauen zu können. Aus unserem Kurstagebuch April bis Juni 2019

Rollstuhltraining vor den Seminarräumen des ambulanten Ricam Hospizes - Sterbebegleitung Ehrenamt Kurs Ricam Hospiz Berlin

Es geht los!

Heute findet der erste Kursabend statt. Ankommen, kennen lernen, Einstieg. Conny und ich werden ihn gestalten, eine Premiere in dieser Konstellation. Wir ha­ben uns gut vorbereitet – aber wird alles auch so klappen? 18 Teilnehmer*innen hat der Kurs, 16 werden da sein. Gar nicht so einfach, schon vorher Namen zu be­halten. Vier Männer sind dabei, darunter zwei „Franks“. Die letzten Vorbereitun­gen am Nachmittag: Tisch schön ein­decken, Materialien bereit legen, noch einmal den Ablauf überfliegen. Tür des Seminarraums aufschließen, die ersten Teilnehmer stehen überpünktlich vor der Tür – es kann losgehen. „Herzlich willkommen!“ 16 Menschen schauen uns gespannt an. Was erwarten sie vom Grundkurs? Einige Antworten kommen rasch: fremden Menschen beistehen können, bisherige Erfahrungen austau­schen, einen anderen Umgang mit dem Leben finden, darüber nachdenken, wie wir mit dem Sterben umgehen, das Ster­ben im Leben schon erwarten können. In den nächsten Kurabenden werden wir auf diese und andere Punkte eingehen.

Drei Stunden später – der Kursstart ist gelungen. Wir haben viele Informationen vermittelt – zur Entwicklung der Hos­pizidee und zur Geschichte des Ricam Hospizes, über die Menschen, die zu uns kommen, und wie wir ihnen begegnen. Die Teilnehmer*innen haben begonnen sich darüber auszutauschen, warum sie ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig werden möchten, welche Lebenserfah­rungen sie gemacht haben und wie sie dadurch geprägt wurden. Dabei waren wir immer miteinander in Bewegung, haben die Räume gewechselt, uns hinter Stühle gestellt … Das gegenseitige Ken­nenlernen ergab sich durch viele kleine Aktionen und Aussagen. Es entwickelte sich eine lockere Atmosphäre, eine gute Basis für die nächsten Abende. Wir bei­den „Referentinnen“ spielten uns die Bälle zu und konnten uns ergänzen. Zwi­schendurch immer wieder Blicke in die Runde – erreichen wir die Teilnehmerin­nen mit unseren Themen und Übungen? Anscheinend alles im grünen Bereich. Kurz vor 21 Uhr noch ein Gedicht von Conny, den Tisch gemeinsam abgeräumt und ein kleines Feedback hinterlassen. „Tschüß, bis zum nächsten Mal!“, „Ja, bis zum nächsten Montag!“

Eine Woche später

Dieser Kursabend ist praktischen Aspek­ten gewidmet und wird Andrea aus dem stationären Ricam Hospiz gestaltet. Zu­nächst stellt sie den Teilnehmer*innen die Frage: »Was erwartet ihr heute?« Die Antworten lauten: Umgang mit dem Rollstuhl, Anfassen ohne Schmerzen zu verursachen, Anleitung zum spazieren gehen, Essen reichen, Hilfsmittel, Hygi­ene, Nähe und Distanz. Auch hier geht es zunächst einmal um die Klärung der Frage was uns selbst gut tut, wenn wir krank sind. Manche Antworten kommen schnell: Ruhe, Rücksicht, Fürsorge, Wär­me, schlafen. Manche sind widersprüch­lich: mit Freunden reden – kein Besuch, Mitleid und trösten – ignorieren, da sein – aber unsichtbar. Wir lernen unseren Bedürfnissen genauer nachzuspüren, damit wir es auch bei anderen Menschen besser können. – Lebhaft geht es dann zu bei den praktischen Übungen im Um­gang mit dem Rollstuhl und beim Anrei­chen von Essen. Es sieht einfacher aus als es ist, und auch hier macht Übung den Meister. Aber erst einmal setzen sich viele Aha-Erlebnisse fest und es bleibt die Erinnerung an einen sehr bewegten und bewegenden Abend.

Wir sagen »Dankeschön« für diese Rückmeldungen, über die wir uns na­türlich sehr freuen. Wir geben sie gern an all diejenigen weiter, die mit uns gemeinsam die einzelnen Themen ge­stalten – unsere Kolleg*innen aus dem stationären Ricam Hospiz und die ex­ternen Dozent*innen.

 

Rückmeldungen von Kursteilnehmer*innen

» … so gut aufgebaute und vermittel­te Seminare hatte ich lange nicht. Bei Euch habe ich das Gefühl, dass mit Hirn und Herz vermittelt wird und Eure emotionale Wärme ist spürbar. Die Einheiten sind gut aufgebaut und interaktiv. Der Selbstlerneffekt ist zu merken und eine systemische Grund­lage ist das Beste was man/frau krie­gen kann. Ich bin froh, dass ich bei Euch ‚gelandet‘ bin.«

» … gestern der Kurs war wieder prima, besonders die Erfahrungen der beiden Ehrenamtlichen (die sehr offen berich­teten) waren sehr sehr hilfreich.«

»… Humor bei der praktischen Arbeit«

»… lernen durch Selbsterfahrung – toll!«

 

Was erwarten die Teilnehmer*innen vom Grundkurs? Wir haben sie gefragt:

– fremden Menschen beistehen können

– bisherige Erfahrungen austauschen

– einen anderen Umgang mit dem Leben finden

– nachdenken, wie wir mit dem Sterben umgehen

– das Sterben im Leben schon erwarten können.

 

Die Kurse richten sich an Menschen, die sich ehrenamtlich im RIcam Hospiz engagieren bzw. sterbenskranke Menschen zu Hause begleiten möchten.

Kurstermine: https://www.ricam-hospiz.de/wissen/bildungs-und-seminarangebote/sterbebegleitung-ausbildung/