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Zukunft Ricam Hospiz

im Gespräch mit Toska Holtz, künftige Geschäftsführerin im Ricam Hospiz

Mit Dorothea Becker übergibt die Gründerpersönlichkeit des Ricam Hospizes das Steuer an Dich. Ein schweres Erbe?
Als mich Dorothea Becker und meine Vorstandskollegen fragten, ob ich mir vor- stellen könne, die Geschäftsführung zu übernehmen, habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Denn Dorothea Becker ist nicht nur die Gründerpersönlichkeit. Ihre Haltung, ihr Engagement und ihre Erfahrung haben das Ricam Hospiz geprägt und zur hohen Reputation des Ricam Hospizes geführt. Wie könnte nun jemand anderes diese Rolle füllen? Ich bin sehr dankbar, dass ich in den letzten 7 Jahren so eng mit Dorothea Becker zusammenarbeiten konnte. Vieles habe ich mir von ihr abgucken können, anderes bringe ich mit. Hinzu kommt, dass viele Kooperations- und Geschäftspartner, Kostenträger und Spender mich nicht nur bereits kennen, sondern in enger Kommunikation mit mir stehen. Das wird den Wechsel sehr erleichtern.

Welche Impulse möchtest Du setzen?
Der wichtigste Impuls wird von der Eröffnung und dem Betrieb des teilstationären Hospizes ausgehen. Es wird direkte Wirkung auf zahlreiche Menschen haben, die an schweren Erkrankungen leiden und nicht mehr viel Lebenszeit vor sich haben. Es wird auch die Netzwerkarbeit und Forschung zu diesem Thema intensivieren. Und nicht zuletzt wird es ein Impuls für die Krankenkas- sen sein, teilstationären Angeboten mehr Platz einzuräumen.
Unser Hospizzentrum in Berlin-Rudow wird aber nicht nur nach außen wirken. Ein weiterer Standort ist verbunden mit einer Vergrößerung unseres Teams. Das erfordert intern mehr Kommunikation und bedeutet, dass wir uns künftig um drei Standorte kümmern müssen – das stationäre Ricam Hospiz in der Delbrückstraße, das Hospizzentrum im Orchideenweg und unseren Palliativen Hilfs- dienst d.E.L.P.H.i.N. am Kranoldplatz. Diesen Veränderungsprozess konstruktiv zu gestalten, ist mir ein wichtiges Anliegen. Starke Impulse will ich im Bildungsbereich setzen. Vorantreiben möchte ich Projekte wie „Hospiz macht Schule“, das wir auf die Ober- stufe von Schulen erweitern werden. Insgesamt möchte ich das Bildungsprofil des Ricam Hospizes schärfen und Bildungspartnerschaften mit Unternehmen schließen, die sich zunehmend mit den Herausforderungen des demographischen Wandels konfrontiert sehen. Und nicht vergessen möchte ich die gute Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern vertiefen. Hier werden wir mit dem Tageshospiz ein Angebot machen, dass die häusliche Versorgung von Menschen mit schwersten Erkrankungen weiter verbessern und das Entlassungsmanagement der Sozialdienste entlasten wird.

Nach einer Krankenschwester wird das Ricam Hospiz künftig von einer Betriebswirtin geführt. Manch einer befürchtet, nun werden die Zahlen regieren? Tatsächlich steht Betriebswirtschaft mal umgangssprachlich ausgedrückt für Zahlen, Hospize hingegen für Menschlichkeit. Doch auch „die Krankenschwester“ musste die Zahlen beherrschen, um die Kosten der Hospizversorgung über Leistungsentgelte und Spenden zu refinanzieren. Gerade ein soziales Unternehmen wie das Ricam Hospiz braucht ein sehr gutes betriebswirtschaftliches Management, um das „Unternehmen Menschlichkeit“ überhaupt voranzubringen. Wirtschaftlichkeit und Menschlichkeit denke ich zusammen. Deshalb ist mir der Kontakt mit meinen Teamkollegen und Mitarbeitern so wichtig. Ich sehe, wie sehr jeder im Team jeden Tag alles tut, damit Menschen so leben können wie sie es bei uns tun – trotz ihrer Er- krankung. Durch den ständigen Austausch bleibe ich verbunden mit den Herausforderungen am Lebensende, mit den täglichen und oft belastenden Erfahrungen, die das Team mit sterbenskranken Menschen und deren Familien macht. Wenn ich sehe, wie wirksam die Arbeit unseres Teams im Ricam Hospiz ist, dann motiviert es mich noch viel mehr, diese Arbeit im Kern zu schützen, zu bewahren und auszubauen. Dafür braucht es Mittel und Ressourcen in Form von gut ver- handelten Tagessätzen, viel Unterstützung durch Spenden und Organisationen, die uns durch Fördermittel Projekte stemmen helfen, die uns allein nicht möglich sind.

Welche Berührungspunkte mit Tod, Trauer, Sterben hattest Du vor Deiner Zeit im Ricam Hospiz?
Abgesehen von familiären Verlusten, bin ich von Hause aus kein Profi, was Krankheit, den Tod und das Sterben betrifft. Ehrlich gesagt hatte ich sogar Angst vor dem Tod. Ich habe ja in rein profitorientierten Unternehmen gearbeitet. Der Tod fand dort in den Gesprächen nicht oder nur selten statt. Im Ricam Hospiz habe ich dann das erste Mal in meinem Leb- en einen toten Menschen gesehen. Bevor ich im Ricam Hospiz anfing, dachte ich, dass ich im Büro arbeite und eben nicht viel Kontakt mit sterbenskranken Menschen habe. Ich wäre die, die eher von Ferne helfen würde.

Das kam wohl anders…

Ja, die Menschen und ihre Schicksale kamen näher an mich heran. Und ich habe mich bewusst entschieden, sie an mich heranzulassen. Was ich selbst daraus gelernt habe, finde ich ungemein wertvoll. Meine Sicht auf das Leben hat sich sehr verändert.

Inwiefern?
Ich erinnere mich noch an eine junge Frau, die bei uns im Ricam Hospiz lag. Sie hatte einen kleinen Sohn. Ich kam immer an ihrem Zimmer vorbei. Zunehmend wurde sie schwächer und konnte sich nicht mehr um ihre Katze kümmern, die mit ihr im Hospiz eingezogen war. Da ich selbst eine große Tierfreundin bin, begann ich die Katze zu füttern und umsorgte sie. Und so lernten wir uns näher kennen. Dann kam Silvester. Ich brachte meinen Sohn mit ins Hospiz, der etwa so alt war wie ihrer. Wir feierten zusammen auf der Dachterrasse des Ricam Hospizes. Unsere Söhne schossen Raketen in die Luft und wir Mütter sprachen über das Leben und das Sterben. Sie hatte alles geregelt, natürlich auch wo ihr Sohn weiter aufwachsen würde. Ihre Katze sollte bei einer Kollegin aus der Pflege bleiben. Ich versprach ihr, dass ich mich nach ihrem Tod um ihre Katze kümmern würde und sie in das neue Zuhause bringe. Und als sie gestorben war, ging ich in ihr Zimmer und sah wie diese Frau, mit der ich noch vor Kurzem gesprochen und Silvester gefeiert hatte, dort friedlich lag – tot. Ich hatte eine Weile, um mich von ihr in Ruhe zu verabschieden. Ich nahm ihre Katze auf den Arm und erfüllte mein Versprechen. Nach dieser Begegnung habe ich viele Male an den Abschieden von Verstorbenen teilgenommen. Das hat mir geholfen, die Berührungsängste zu nehmen. Mittlerweile habe ich mich voll und ganz der Hospizidee verschrieben. Ich kann aber eb- enso gut nachfühlen, wie Menschen Hospize sehen, die damit keine Erfahrung haben. Das scheint mir eine gute Basis für meine neue Rolle zu sein.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Gespräch führte Maik Turni.


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