Magazin

Warum arbeiten Menschen im Hospiz (Teil1)

Heidi & Joachim Vetter, seit 2009 im Ricam Hospiz, Berufsmusiker:

Menschen auf ihrer letzten Wegstrecke zu begleiten, lässt einen auf den Boden der Tatsachen menschlichen Lebens zurückkommen. Als Berufsmusiker gestalten wir auch kleine Hausmusiken im Wintergarten des Hospizes oder wirken bei der jährlichen Gedenkfeier mit. Die freundliche, gelöste und zugleich heitere Hospiz-Atmosphäre ist angenehm und wohltuend. Wir sind seit reichlich 5 Jahren sehr gerne ehrenamtlich im Ricam tätig. Heidi in der ambulanten Sterbebegleitung, Joachim einmal wöchentlich in der Küche.

Thomas Ogger, seit 2006 ehrenamtlich im Ricam Hospiz,Islam- und Musikwissenschaftler und inzwischen verrentet:

Warum? Um mich praktisch mit dem Verhältnis Leben und Tod auseinanderzusetzen…  Es boten sich für mich mehrere Hospize zur Auswahl an. Doch  nachdem ich das erste Gespräch geführt, mehrere Mitarbeitende kennengelernt  und die Räumlichkeiten besichtigt hatte, stand mein Entschluss fest.

Hannah Dirks, studiert Psychologie,seit 2011 im Ricam:

Ich arbeite in einem Hospiz, weil ich finde,  dass die Begleitung von Sterbenden  eine wichtige Tätigkeit ist, die ein Sterben  in Würde ermöglicht… Ich bin im Ricam  Hospiz tätig, weil ich dort bereits mein  Freiwilliges Soziales Jahr absolviert habe  und weil ich finde, dass dies ein ganz besonderer,  friedlicher und vor allem würdevoller  Ort ist.


Van Hau Ma, Historiker,seit 2013 ehrenamtlicher Mitarbeiter:

In den letzten Jahren waren für mich die Verluste  geliebter Menschen zu beklagen, und die Adepten  des Todes (schwere Unfälle, lebensbedrohliche  Krankheit) hinterließen tiefe Spuren bei mir  selbst.  Meine erste persönliche Berührung mit einem  Hospiz hatte ich, als meine liebste Freundin im Alter  von 25 Jahren an Krebs verstarb. Und trotz ihrer  quälenden Schmerzen, die mich in einen dunklen  Schleier der Hilflosigkeit einhüllten, gab die immerwährende  Präsenz der ehren- und hauptamtlichen  Hospiz-Mitarbeiter der ganzen bedrückenden  Zeit aufhellende Momente.  Mich selber darum zu bemühen, dieses Kerzenlicht  des Trostes auch für andere Menschen  fortwährend brennen zu lassen, war seither der  Wunsch und Impuls, die mich letztendlich dazu  führten, im Ricam Hospiz als ehrenamtlicher Mitarbeiter  tätig zu werden.  Das Ricam Hospiz bietet den Menschen, die den  schweren Weg ins Ungewisse zu beschreiten haben,  wertvolle Unterstützung. Ja, inmitten der  trockenen Wüste von Schmerzen und Leid schenkt  dieses Hospiz eine durstillende Oase der Herzlichkeit.

Ulrike Evers begleitet ehrenamtlich Patientenzu Hause und sorgt für Blütenpracht im Hospiz:

Seit meinem 60. Geburtstag und dem  Tod meiner Eltern habe ich nicht nur abstrakt  gewusst, sondern mehr verstanden,  dass mein Leben endlich ist. Wenn ich  mit Patienten zusammen bin und sie unterstützen  kann, darf ich ihrem Leben und  Sterben – mehr oder weniger- nahe sein.  Das ist schön für mich… Mir war es sehr  wichtig, in einer nicht religiös orientierten  Einrichtung zu arbeiten. Auch hat mich  fasziniert, dass das Ricam Hospiz von  Menschen gegründet wurde, die aus eigener  Berufserfahrung wussten, dass in herkömmlichen  Institutionen dem Sterben  kein humaner Rahmen gegeben werden  konnte. Seit dem ersten Tag habe ich die  Atmosphäre mitmenschlicher Anteilnahme  und Unterstützung der dort tätigen  Menschen sehr genossen. Ich fühle mich  wohl, dazu zu gehören.


Iris Gärtner, Marketingexpertin,arbeitet ehrenamtlich ambulant:

Die Arbeit mit kompetenten und herzlichen Menschen macht einfach Spaß.

Heinz Martuzalski,Vorstandsvorsitzender Gesellschaft der Freunde des Ricam Hospizes e.V. :

Vor der Besichtigung des Ricam Hospizes hatte ich große Bedenken  und ein völlig anders Bild von einem Hospiz. Ich hatte  eine unruhige Atmosphäre mit stöhnenden und jammernden  Geräuschen erwartet. Desto erleichtert und auch begeistert  war ich beim Verlassen des Fahrstuhls über die äußerst angenehme  Atmosphäre und gepflegte Einrichtung.  Im Spätsommer 1998 erkrankte meine damalige Schwiegermutter  und die Ärzte schätzten, dass sie nur noch 3-4 Monate  leben würde. Jahrelang hatte sie ihren Ehemann gepflegt. Er  fand einen Platz im Seniorenheim Haus Rixdorf und sie im  benachbarten Ricam Hospiz. So konnten sich beide täglich  sehen. Die Pflege meiner Schwiegermutter war sehr, sehr gut,  Sie erholte sich deutlich sichtlich und verließ nach ca. 6 Monaten  das Ricam Hospiz wieder. Sie wechselte ins Seniorenheim  zu ihrem Mann, wo sie Monate später verstarb.  Der Eindruck vom Ricam Hospiz war für mich seinerzeit der  Anlass, Spenden-Mitglied im Förderverein des Ricam-Hospizes  zu werden. Mit Eintritt ins Rentenalter habe ich mich aktiv  dem Förderverein angeschlossen.  Meine Frau Uta arbeitet immer freitags ehrenamtlich im  Hospiz-Café »Lebenszeit« und nach meiner Büroarbeit im  Förderverein setze ich mich auch zu Patienten. So habe ich im  Laufe der Zeit viele Patienten kennengelernt und Gespräche  am Kaffeetisch geführt. Dabei wird in den meisten Fällen die  Krankheit, obwohl sichtbar/erkennbar, außer Acht gelassen  und das Leben in den Vordergrund gestellt. Da ich praktisch  keine pflegende Aufgabe ausübe, habe ich auch keinen direkten  Einblick in die letzte Lebensphase, so dass die Nähe zum  Tod für mich nicht direkt spürbar ist.

Susanne Amon, arbeitet seit 2008 ehrenamtlich im Ricam Hospiz:

Bei dieser Arbeit lerne ich unglaublich viel über das Leben.  Selten erlebe ich im Alltag soviel Authentizität und Ehrlichkeit, wie in den Begegnungen mit den Menschen, die ich  auf dem letzten Abschnitt ihres Lebens begleitet habe. Dabei geht es nicht mehr darum, etwas vorzuspielen oder  darzustellen sondern das zu besprechen, was im hier und jetzt ist, welche Gefühle, Ängste, Erinnerungen und Hoffnungen  und das zu machen, was im hier und jetzt und unter den gegebenen Umständen noch Freude machen kann.  Und da gibt es nach meiner Erfahrungen immer noch eine ganze Menge.  Ich arbeite seit 2008 als Ehrenamtliche. Die meiste Zeit davon war ich selber in einem Vollzeitjob berufstätig. Die  zwei bis drei Stunden pro Woche für die Begleitung musste ich mir so manches Mal freikämpfen.  Trotzdem waren das oft genau die Stunden, in denen ich mir wirklich ganz sicher war, genau am richtigen Ort zu sein  und meine Lebenszeit wirklich sinnvoll zu nutzen. Im Rückblick kann ich sagen, dass ich durch diese Arbeit meistens  viel mehr bekommen habe als ich gegeben habe.

Reiko Tidten, arbeitet seit 2006 ehrenamtlich im ambulanten Ricam Hospiz, hauptberuflich ist sie Konferenzdolmetscherin für Japanisch-Deutsch:

Würde im Leben und ebenso Würde am  Lebensende sind für mich sehr wichtig. Ich  hatte großes Interesse an Hospiz nach dem  Tod meines Vaters. Ich hatte an einer Veranstaltung  in München teilgenommen, aber ich  fühlte mich da nicht angesprochen. In Berlin  habe ich zufällig im Radio einen Bericht übers  Ricam Hospiz gehört. Da gerade ein Ausbildungskurs  für Ehrenamtliche anfangen sollte,  habe ich mich angemeldet. Diese Ausbildung  hat mir sehr gut gefallen und ich konnte als  Ehrenamtliche anfangen.

Jasamin Boutorabi, Bildungsreferentin:

Ich arbeite ehrenamtlich im Hospiz, weil ich Menschen  in ihrem persönlichen, einzigartigen Sterbeprozess beiseite  stehen möchte. Ich sehe immer wieder, dass es  eine große Herausforderung ist, das Leben hinter sich  zu lassen, und es ist sicherlich kein leichter Weg.  Ich möchte die Menschen in dieser schwierigen letzten  Lebensphase begleiten. Das bedeutet, dass ich anteilnehme  an ihren Sorgen und Ängsten aber auch für Ablenkung  und Späße oder die Erfüllung kleiner Herzenswünsche  zur Verfügung stehe.  In Zeiten von Wut und Orientierungslosigkeit begleite  ich PatientInnen mit viel Geduld und Verständnis, weil  ich denke, dass es wichtig ist, diese Gefühle anzuerkennen  und ihnen gebührenden Raum zu geben.  All dies bedeutet für mich „würdevolles Sterben“ und  deshalb ist für mich die Hospizbewegung eine Antwort  auf eine Gesellschaft, die überwiegend so tut als gäbe  es kein „Sterben und Tod“ und damit zu wenig Orte anbietet,  in denen ein „würdevolles Sterben“ möglich ist.  Außerdem werde ich in meinen Begleitungen häufig  beschenkt durch das Kennenlernen von Menschen, deren  Biografien mich berühren und deren Lebensläufe  zeigen, welch unendliche Vielfalt das Leben bietet, es  auf individuelle Art zu meistern.  Und ich erlebe in den Begleitungen, wie wahr ein slawisches  Sprichwort sein kann:  ‹Es sind die Lebenden,  die den Toten die Augen schließen.  Es sind die Toten,  die den Lebenden die Augen öffnen.

Dorothea Ihme, arbeitet ehrenamtlich im ambulanten Ricam Hospiz:

Ich arbeite im Hospiz, weil ich immer politisch-gesellschaftlich  aktiv war und diese Arbeit ist jetzt (nach Gewerkschaftsarbeit,  Arbeit in der Friedensbewegung) mein Beitrag  für die gesellschaftliche Gemeinschaft.  Sie ist für mich aber auch ein wichtiges Miteinander, ein gemeinsames  Tun. Ich gehöre dazu. Das Ricam Hospiz arbeitet  überkonfessionell, das ist mir wichtig… Die wichtigste und  schönste Erfahrung ist, dass der Mensch dem Menschen ein  Helfer, ein Begleiter, ein Gegenüber sein kann – auch wenn  er denjenigen kaum kennt. Das Schwerste für mich ist die  Geduld, die ich aufbringen muss für das absichtslose Da-  Sein.