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Was tun Politik, Wirtschaft und Stiftungen für Sterbende in Berlin?

Ausgangssituation des Gesprächs war die Frage, was eigentlich für ein gutes Sterben erforderlich ist und was Politik, Wirtschaft und Stiftungen tun können, um ein gesellschaftlich relevantes Vermächtnis zu hinterlassen. Obwohl durch die Sozialversicherungsleistungen und die Gesetzgebung vieles geregelt ist, steht der ältere und/oder kranke und pflegebedürftige Mensch am Ende seines Lebens weitgehend hilflos in einem Dschungel voller Möglichkeiten und unabsehbarer Konsequenzen ohne individuellen Wegweiser. Hier sieht die Vorstandsvorsitzende der Ricam Hospiz Stiftung und Gründerin des Ricam Hospizes, Dorothea Becker dringenden Handlungsbedarf. Sie richtete die Bitte an die Politik, Versorgungslücken zu analysieren und die guten Erfahrungen, z.B. mit Hebammen, für diesen Bereich zu nutzen.

Menschen am Lebensende brauchen eine bessere Nachsorge, zum Beispielnach einem Krankenhausaufenthalt, einem Notfall oder der Nachricht, unheilbar krank zu sein. Gesundheitsstadtrat Falko Liecke bedauerte die noch nicht flächendeckende spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in Berlin-Neukölln. Dadurch fehlten einige der Möglichkeiten, Menschen zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung zu begleiten. Zugleich wies er auch auf das Problem hin, dass nicht nur Mediziner, sondern auch Pflegefachkräfte fehlten. In einem Schulungs-Programm sollen bis 2015 bis zu 130 junge Menschen in Neukölln befähigt werden, den Pflegeberuf zu erlernen.

Maria Feuerstein-Peter vertrat das Familienunternehmen Christian Peter Bestattungen und konnte aus eigener Angehörigenperspektive berichten. Patienten bräuchten im Falle einer Krankheit, die Krankenhausbehandlungen erforderlich macht, permanent kompetente Begleitpersonen, sonst gingen sie „im System verloren“. Ganz offenbar entsteht in einer Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden, und deren Kinder aufgrund eigener Erwerbstätigkeit nicht pflegen können, der Bedarf nach einem Case Management für das Lebensende. Stefan Gaul Präsident des Lions Club Berlin-Kurfürstendamm unterstrich, dass im Falle eines sich ändernden Bedarfs in Unternehmen und in der Gesellschaft ein Anpassungsprozess des Reagierens einsetzen.

Da es hier um bürgerschaftliches Engagement geht,und Stiftungen ihre Aufgabe u.a. darin sehen, Erhaltenswertes für die Gemeinschaft zu schaffen und Werte weiter zu geben, sind gerade Stiftungen prädestiniert, hier anzusetzen. Herr Behrens, der zu Beginn den Begriff der Stiftung als „rechtlich verselbständigtes Vermögen, das einem bestimmten Zweck dient“ definiert hatte, bejaht abschließend die gesellschaftliche Notwendigkeit der Hebamme am Anfang und am Ende des Lebens. Für die Ricam Hospiz Stiftung wird das ein Ansatz sein, diesen Gedanken konsequent weiter zu denken und Möglichkeiten dafür zu erarbeiten.

Die Zeichnungen auf dieser Seite entstanden während der 5. Berliner Stiftungswoche am 2. April im Rathaus Neukölln und wurden von der Comic- und Livezeichnerin Elke R. Steiner angefertigt. Bild unten, v.r.n.l. Gert Behrens (invitrust- Stiftung), Maria Feuerstein- Peter (Christian Peter Bestattungen), Stefan Gaul (Lions Club Berlin-Kurfürstendamm ), Falko Liecke (Stadtrat f. Gesundheit und Jugend) Dorothea Becker (Ricam Hospiz Stiftung) und Maik Turni (Ricam Hospiz Stiftung)