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Musiktherapie braucht Paten

Sie kommt ohne Worte aus und wirkt unabhängig von Alter, Bildung, Herkunft und Bewusstseinszustand – die Musiktherapie. Im Ricam Hospiz zählt sie seit über 14 Jahren zu den wichtigsten ergänzenden Angeboten. Wo Medikamente längst nicht mehr helfen, lindert Musiktherapie Atemnot, Panikattacken oder Verwirrtheit. Das schenkt besonders jenen Menschen Lebensqualität, denen nur noch wenig Lebenszeit bleibt, weil sie unheilbar krank sind.

Musiktherapie ist in Deutschland keine Kassenleistung. Deshalb muss die Musiktherapeutin des Ricam Hospizes ausschließlich über Spenden finanziert werden. Pro Therapie-Tag benötigt das Ricam Hospiz dafür 185 Euro (Pro Kalendertag 53 Euro).

Um die Musiktherapie auch weiterhin zu sichern, werden nun viele Unterstützer gesucht. Ein erster Pate konnte bereits gefunden werden: der Lions Club Berlin-Kurfürstendamm sammelte 10.000 Euro! Damit konnte die Musiktherapie ein weiteres halbes Jahr gesichert werden.

Auch die Erlöse aus dem jährlichen „Ball unter Sternen“ zugunsten des Ricam Hospizes kommen dieses Jahr der Musiktherapie zugute. Der Wohltätigkeits-Galaball fand am 13. Oktober im Estrel Hotel statt. Zahlreiche Vertreter aus Politik und Wirtschaft waren unter den Gästen. Der Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky spendete selbst 1500 Euro und versprach jedem Spender, der es ihm gleich tut, einen Mini-Buddy-Bären als Geschenk. Insgesamt konnten auf der Gala zusätzlich zur Spende des Lions Clubs über 11.000 Spenden zugunsten der Musiktherapie im Ricam Hospiz gesammelt werden.

Spendenkonto: 44 004 901 GLS Bank Kennwort: Musik

Weitere Informationen inklusive Video

Hintergrund-Reportage

Musiktherapie lindert Atemnot

Die Musiktherapeutin Astrid Steinmetz wendet sich Sterbenden zu –
mit ihrer Stimme, Klängen und Rhythmus.

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Dieser Satz Victor Hugos gilt im Ricam Hospiz in Berlin-Neukölln auf besondere Weise. Dort gehören Klang und Musik zum therapeutischen Angebot für Sterbende. Gerade dann, wenn Sprache an Grenzen stößt, kann Musik helfen, emotionale Not zu lindern.
Angstgeweitete Augen, nach Luft ringend, so sitzt sie auf ihrem Bett: Eva Paul, Mitte fünfzig hat einen Tumor in der Lunge, nicht mehr heilbar. Die Zeit, die ihr bleibt, lebt sie an einem Ort, an dem alle wissen, wie kostbar jeder Augenblick ohne Beschwerden ist. Es ist das Ricam Hospiz, 1998 als erstes stationäres Hospiz Berlins von Bürgern für Bürger gegründet.
Atemnot, keine Luft mehr bekommen – das bedeutet Todesangst. Und Todesangst führt zu noch größerer Atemnot. Ein Teufelskreis.
Evas Ehemann sitzt bei ihr, kann nur schwer seine eigene Panik unterdrücken. Die Pflegekräfte haben Erfahrung mit diesen Situationen. Wenn aber die Angst der Patienten nicht zu lindern ist, ziehen sie die Musiktherapeutin Astrid Steinmetz hinzu.
Als sie den Raum betritt, merkt sie sofort, hier hilft kein Gespräch. Sie greift zunächst die Hände der Patientin und hält sie fest. Dann legt sie eine Hand auf Evas Rücken und beginnt, den Atemrhythmus mit ihrer Stimme zu begleiten. Dabei senkt sie allmählich das Tempo ihres Gesangs. Auch Evas Atmung verlangsamt sich. Sie schließt die Augen. Bald darauf legt sie sich erleichtert aufs Bett. Astrid Steinmetz nimmt ein Musikinstrument zur Hand und streicht über die Saiten. Evas Atmung vertieft sich. Nach einer Weile liegt sie ruhig und entspannt, mit gelöstem Gesicht. „Sie hat auch mich beruhigt“, sagt Evas Ehemann später, „Ich habe mich wie in einer Art Traumzustand gefühlt.“ Astrid Steinmetz verabschiedet sich von Eva Paul und ihrem Mann. „Sie waren mir so nah“, sagt ihr Eva, „meine Atmung hat sich wie von selbst beruhigt und auch diese schreckliche Angst ist weg.“