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Musiktherapie lindert seelisches und körperliches Leid

(C) Cathrin Bach, Konzept und Bild

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Dieser Satz Victor Hugos gilt im Ricam Hospiz auf besondere Weise. Dort gehören Klang und Musik zum therapeutischen Angebot für Sterbende. Gerade dann, wenn Sprache an Grenzen stößt, kann Musik helfen, emotionale Not zu lindern.

Angstgeweitete Augen, nach Luft ringend, so sitzt sie auf ihrem Bett: Eva Paul, Mitte fünfzig hat einen Tumor in der Lunge, nicht mehr heilbar. Die Zeit, die ihr bleibt, lebt sie an einem Ort, an dem alle wissen, wie kostbar jeder Augenblick ohne Beschwerden ist. Es ist das Ricam Hospiz, 1998 als erstes stationäres Hospiz Berlins von Bürgern für Bürger gegründet. Atemnot, keine Luft mehr bekommen – das bedeutet Todesangst. Und Todesangst führt zu noch größerer Atemnot. Ein Teufelskreis.

Evas Ehemann sitzt bei ihr, kann nur schwer seine eigene Panik unterdrücken. Die Pflegekräfte haben Erfahrung mit diesen Situationen. Wenn aber die Angst der Patienten nicht zu lindern ist, ziehen sie die Musiktherapeutin Astrid Steinmetz hinzu.

Als sie den Raum betritt, merkt sie sofort, hier hilft kein Gespräch. Sie greift zunächst die Hände der Patientin und hält sie fest. Dann legt sie eine Hand auf Evas Rücken und beginnt, den Atemrhythmus mit ihrer Stimme zu begleiten. Dabei senkt sie allmählich das Tempo ihres Gesangs. Auch Evas Atmung verlangsamt sich. Sie schließt die Augen. Bald darauf legt sie sich erleichtert aufs Bett. Astrid Steinmetz nimmt ein Musikinstrument zur Hand und streicht über die Saiten. Evas Atmung vertieft sich. Nach einer Weile liegt sie ruhig und entspannt, mit gelöstem Gesicht. „Sie hat auch mich beruhigt“, sagt Evas Ehemann später, „Ich habe mich wie in einer Art Traumzustand gefühlt.“ Astrid Steinmetz verabschiedet sich von Eva Paul und ihrem Mann. „Sie waren mir so nah“, sagt ihr Eva, „meine Atmung hat sich wie von selbst beruhigt und auch diese schreckliche Angst ist weg.“

Musiktherapie ist ein bedeutendes ergänzendes Angebot im Ricam Hospiz. Sie steht bei Bedarf allen 15 Patientinnen und Patienten offen. Musiktherapie ist keine Kassenleistung, für Patienten kostenlos und finanziert sich wie auch viele andere Angebote im Ricam Hospiz nur durch Spenden.

Pro Therapietag kostet die Musiktherapie im Ricam Hospiz 185 Euro. Sie braucht Paten, die sie dauerhaft sichern. Seit Jahren fördert Johann Stadler die Musiktherapie im Ricam Hospiz. Auch seine Frau verstarb hier. „Dieses wunderbare Angebot der Musiktherapie möchte ich mit meinem bescheidenen Beitrag unterstützen, um nun auch vielen anderen Menschen, die schwere Abschnitte ihres Lebens durchleben, Freude und glückliche Momente zu ermöglichen.“

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Astrid Steinmetz ist Musiktherapeutin. Sie hat neben ihrem Diplom in Musiktherapie weitere Ausbildungen absolviert, u.a. ist sie NLP-Master und wingwave (R) Kommunikationstrainerin


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