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Was braucht der Mensch vor dem Tod?

Gastkommentar

Oft geht es dann nicht nur um einen zeitlich letzten Wunsch, sondern um etwas, das an die Tiefenschichten des zu Ende gehenden Lebens, ja des Lebens überhaupt rührt – also um einen letztlich tragenden Wunsch.

Menschen, die einen Sterbenden begleiten, fragen vielleicht eher: Was braucht dieser Mensch vor dem Tod? Darin klingt – gerade im Angesicht des Todes – mit, dass nach den letzten Tagen, Wochen, Monaten vor dem Tod gefragt wird. Aber die Frage kann auch viel weiter verstanden werden. Jegliches Leben ist vor dem Tod und geht unweigerlich auf ihn zu. Dann könnte die Frage heißen: Was braucht der Mensch überhaupt? So allgemein diese erste Antwort damit ausfällt, so wahr ist sie meines Erachtens auch: Der Mensch braucht in der Lebenszeit, die in besonderer Weise vom nahenden Tod gezeichnet ist, genau das, was er auch sonst zum Leben wirklich braucht.

Drei Wünsche möchte ich konkret benennen und umreißen. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. So steht es schon auf den ersten Seiten der Bibel. Das Grundbedürfnis des Menschen, nicht allein zu sein, hat hier Eingang gefunden in die göttliche Schöpfungsordnung. Doch bedarf es für die menschliche Sehnsucht nach einem Gegenüber nicht unbedingt einer auf Gott bezogenen Begründung. Aus eigener Erfahrung kennt der Mensch dieses Sehnen. Und gerade, wo sich der Einzelne als defizitär, unvollkommen oder gar hilflos erfährt, stellt sich der Wunsch ein, Ergänzung erleben zu dürfen. Dass (mindestens) ein Mensch nicht nur im Leben, sondern auch auf dem Weg des Sterbens da und nahe ist, mich berührt, mich sogar liebt, zählt auf jeden Fall zu den letzten Wünschen.

Trotz Nähe und Zuwendung kann ein letzter Wunsch sein, Ruhe zu finden. Darunter zählt neben einer äußerlichen, zuerst vielleicht akustischen, Ruhe gewiss auch das Freisein von Schmerz. Ruhe gibt Gelegenheit, mir selbst, dem anderen, meinem gelebten Leben, in all dem vielleicht gar Gott zu begegnen; andauernde oder sogar unerträgliche Schmerzen hingegen behindern diese notwendige Ruhe. Sie erleichtert es, letzte Fragen besprechen, Offenes klären oder Unversöhntes wieder verbinden zu können. Andersherum aber können erst diese letztgenannten Dinge eine Ruhe ermöglichen, die die Hinterbleibenden als tiefen Frieden empfinden. Nur im stillen Wasser ist der Grund sichtbar. In gleicher Weise ermöglicht Ruhe – auch Allein sein dürfen – zu sehen: andere Menschen, aber auch mich selbst, erst recht aber den „Bodensatz“ meines Lebens.

Zumindest für den religiösen Menschen wird auch das Gebet zu den letzten Wünschen gehören. Und zwar nicht nur das eigene oder gemeinschaftliche Gebet, sondern auch die Zusicherung eines anderen, für den sterbenden Menschen zu beten. Hierin drückt sich die unverbrüchliche Gemeinschaft der Menschen untereinander auch angesichts einer Situation aus, in der eben nichts anderes mehr getan werden kann. Zugleich führt auch das Gebet in seinen je unterschiedlichen Formen den Sterbenden nicht nur zu Gott, sondern auch zu seinen Mitmenschen und sich selbst.

Je länger ich über letzte Wünsche nachdenke, um so deutlicher wird mir: Eine allgemein gültige Antwort ist schwer. Viel hängt von der einzelnen Person und ihrer Umwelt ab, nicht zuletzt in besonderer Weise davon, wie sie ihr Leben gelebt hat. Das führt mich aber doch zurück zu meinem ersten Antwortversuch: Ich möchte gern so sterben, wie ich gelebt habe. Nur werde ich dann wohl so leben müssen, wie ich sterben möchte.


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