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Epikurs Erbe

Liebe Leserin, lieber Leser,

innerhalb der Hospizbewegung reichten die Reaktionen von Kopfschütteln bis zu scharfer Kritik. Selbst Immobilienmakler hielten die Befürchtung eines Werteverlusts für Nonsens. Der wahre Grund des Protestes gegen das künftige Hospiz, so war zu vermuten, sei die mangelnde Bereitschaft, sich tagtäglich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Sicherlich erscheint die Debatte um diese Anwohnerproteste hysterisch. Und sicher ist auch, dass es in dieser Siedlung auch dann noch Kinderlachen und Grillabende im Garten geben wird, wenn die ersten Bestattungswagen vorfahren werden. Über 95 Prozent der Anwohner sind ohnehin für den Bau des Hospizes; lediglich zwei von ihnen schalteten einen Anwalt ein.

Das eigentlich Interessante an diesem Sturm im Wasserglas sind wohl eher die beiden Prinzipien, die sich hier offenbaren. Auf der einen Seite stehen jene, die sich der politisch korrekten Zustimmung sicher sind und immer wieder betonen, dass der Tod zum Leben gehöre. Auf der anderen Seite stehen jene, die sich nicht dazu zwingen lassen wollen, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. »Denn solange wir leben, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann leben wir nicht mehr. «Diese Haltung hat eine lange Tradition und reicht zurück bis in die Antike. Ihr prominentester Vertreter ist der griechische Philosoph Epikur, dem auch das Zitat zugeschrieben wird. Die andere Haltung, die das Leben vom Tod her denkt, ist noch wesentlich älter. Im Gilgamesch Epos, der ältesten erhaltenen Dichtung, heißt es: »Gilgamesch weint bitterlich um seinen Freund Enkidu und streift umher in der Wüste. Wenn ich sterbe, werde ich wie Enkidu sein? Sorge hat mein Herz befallen, ich fürchte mich vor dem Tod und streife durch die Wüste. «Die altägyptische Kultur basierte auf einer Orientierung zum Tode. Und das Barock propagierte den Wahlspruch: »Memento mori« (Erinnere Dich, dass Du stirbst). Aber es kannte auch das »Carpe diem« (Nutze den Tag). So unbekümmert möchten wir unser Leben genießen können und unsere Sterblichkeit vergessen. Doch spätestens dann, wenn uns ein geliebter Mensch jäh entrissen wird oder wir nach langer Krankheit von ihm Abschied nehmen müssen, wird der Tod zum einschneidenden Ereignis im Leben der Hinterbliebenen. Der Tod ist plötzlich kein abstrakter Gedanke mehr. In der Trauer um einen geliebten Menschen erfahren wir unweigerlich den Tod. Er wird zur Erfahrung, die den ganzen Menschen bestimmt. Die Kulturwissenschaft betrachtet den Tod daher auch als
das Zentrum jeder Kultur. Für die aktuelle Ausgabe der »lebenszeit« sprachen wir mit Hinterbliebenen und darüber, wie sie den Verlust eines nahen Angehörigen erlebt, durchlitten und verschmerzt haben. In diesen Gesprächen ist von Trauer die Rede und Schmerz, aber eben auch von der Zuversicht, wieder ins eigene Leben zurück zu finden. Dazu brauchen Trauernde Unterstützung. Wie Trauerbegleitung wirkt, darüber unsere Gastautorin, die Herausgeberin des Fachmagazins Leidfaden, Monika Müller, in ihrem Fachartikel.

Es gilt immer als Herausforderung, die Balance zu halten zwischen Lebensbejahung und Gedanken an den Tod. Die von den Medien zum Aufruhr erklärte Diskussion an der Elbe wird diese beiden Prinzipien am Ende sicher in Einklang bringen. Den beiden Klägern ist sogar zu danken, haben sie doch mit ihren Bedenken die Frage in die Öffentlichkeit getragen, wie wir leben und wie wir sterben wollen.


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