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Achills Verbrechen

Achill aber nimmt Rache für seinen Gefährten, Patroklos. Er schleift die Leiche Hektors 12 Tage lang um das Grab von Patroklos. Diese Tat galt selbst in der blutrünstigen Antike als Verbrechen. Hektors Vater, Priamos, König von Troja, fleht nun den Mörder seines Sohnes um die Herausgabe des geschändeten Leichnams an. Zwei Trauernde, zwei Todfeinde stehen sich gegenüber. Der eine, ein alter Mann, der seinen Sohn verloren
hat. Der andere, ein Held, den die Trauer rasend macht. Priamos erweicht das Herz von Achill. Diese Szene gilt als die rührendste der gesamten antiken Literatur. Priamos darf seinen Sohn bestatten und während der Trauerzeit werden die Angriffe auf Troja ausgesetzt.

In dieser Überlieferung drücken sich zwei menschliche Bedürfnisse aus. Zum einen die Sorge, dass auch dann, wenn ich keine Kontrolle mehr über den Lauf der Dinge habe, die letzten Wünsche respektiert werden und auch nach dem Tod alles geregelt ist. Zum anderen das Bedürfnis der Hinterbliebenen um den Verstorbenen zu trauern. Trauer war das Thema der letzten Ausgabe. Nun lenken wir den Fokus auf die (Vor-) Sorge, dass die letzten Dinge hoffentlich geregelt sein mögen. Dazu gehört neben der wichtigen Vorsorgevollmacht, der Betreuungs- und Patientenverfügung auch die Bestattungsvorsorge. Selbst Unternehmen beschäftigen sich zunehmend mit dem Thema.

Vorsorge lässt sich nicht im stillen Kämmerlein erledigen. Man muss seine Wünsche kundtun, sie mit seiner Familie besprechen. Damit stellt man zunächst einmal sicher, dass die Nachwelt weiß, wie man es gewollt hätte. Hektor hat seinen letzten Wunsch selbst seinem Feind kundgetan. Aber auch ohne Verbrechen kann es geschehen, nicht wie gewünscht bestattet zu werden. Von der Vorsorge weiß die Nachwelt oft nicht. Nicht selten werden die entscheidenden Dokumente erst dann gefunden, wenn es zu spät ist. Das ist nicht nur ein
ethisches Problem. Denn immerhin haben die Verstorbenen zu Lebzeiten Verträge abgeschlossen und finanzielle Mittel dafür bereitgestellt, den eigenen Willen zu erfüllen, wenn es der betroffenen Person selbst nicht mehr möglich ist, ihn durchzusetzen. Wie man dieses Problem vermeidet, lesen Sie im Beitrag über Bestattungsvorsorge.

Vorsorge ist ein Thema, das mitten in unsere gesellschaftliche Diskussion gehört und nicht nur in den Medien vorgetragen werden darf. Von dort muss es in die Wohnzimmer gelangen, um dann in den Gesprächen von Kindern und Eltern, Ehepartnern und Lebensgefährten widerzuklingen.

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Sommer und bitte Sie schon heute, vorsorglich zwei Termine zu notieren: den 13. und den 23. Oktober. Reservieren Sie sich Karten für den »Ball unter Sternen« und unterstützen Sie damit das Ricam Hospiz. Und besuchen Sie die 15. Berliner Hospizwoche. Besonders empfehle ich Ihnen Frederike Freis preisgekröntes Buch auf der Bühne des Heimathafens.